Nina George
Writer and Honorary President of the European Writers' Council (EWC).
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Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.
Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet.
Das Grundrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit, Presse- und Rundfunkfreiheit ist in Gefahr – und damit unsere Demokratie.
Im digitalen Raum lenken wenige vorwiegend US-amerikanische und chinesische Tech-KonzerneFootnote 1 Information und öffentliche Debatte. Deren Plattformen erlauben keinen ungehinderten Zugang: Denn Nutzende müssen für diesen Zugang persönlichste Daten preisgeben. Gleichzeitig filtern Algorithmen intransparent, was Nutzende zu sehen bekommen und was nicht – Algorithmen, die einzig den Gesetzen der Aufmerksamkeitsökonomie folgen, befreit von Gemeinwohlorientierung und journalistischen Qualitätsansprüchen. Mit einer Flut von Hass, Häme, Hetze und Desinformation zersetzen wenige Monopolplattformen unsere Demokratien und gefährden jeden MenschenFootnote 2.
Unabhängige Angebote verlieren derweil auf eigenen Verbreitungswegen zunehmend ihr Publikum und ihre Finanzierungsgrundlage: Journalismus wird zum Verlustgeschäft, weil Big-Tech-Konzerne den Großteil der Werbeeinnahmen vereinnahmen. Journalist*innen und Medienunternehmen müssen sich und ihre Inhalte den Plattformen und deren Algorithmen unterordnen. Auch einzelne Kreative und weitere Akteur*innen geraten in wachsende Abhängigkeit.
Die rasante Einführung von generativer KIFootnote 3 beschleunigt diesen Prozess: Nutzende haben kaum noch Anlass, Webseiten einer Originalquelle zu besuchen, weil KI-gestützte Suchmaschinen die Inhalte zusammenfassen – auf Basis intransparenter technischer Prozesse, die den Tenor oder Aussagen verändern, oft unter vielfachem Urheberrechtsbruch. Diese KI-Dienste sind dazu angetan, die Vormachtstellung der Plattformkonzerne zu zementieren und journalistische Medien weiter zu marginalisieren, bevor sie aussterben.
Das freie Internet wird abgeschafft – es wurde von den Big-Tech-Monopolen übernommen. Die wachsende Dominanz der Plattformkonzerne für Information und Austausch führt zu einer Konzentration von Meinungsmacht, die unsere Demokratie gefährdet.
Doch das Internet gehört uns allen, wir müssen es von der Dominanz der Monopolkonzerne befreien: Die Unterzeichnenden sehen dringenden Handlungsbedarf für alle, für Unternehmen, Verbände, gesellschaftliche Institutionen und die Politik auf nationaler und europäischer Ebene. Demokratiestärkende Angebote müssen ausgebaut, demokratieschädliche Plattformmonopole sollten ihre massiven Privilegien umgehend verlieren.
Gemeinsam das Internet zurückerobern: Aufgrund der großen Resonanz schon vor der Veröffentlichung haben wir uns dazu entschieden, Unterstützende über die Plattform WeAct zu sammeln:
Unsere Gesellschaft braucht andere Plattformen für soziale Vernetzung, Austausch und Debatte als die chinesischer und US-amerikanischer Monopolkonzerne. In den vergangenen 15 Jahren sind solche alternativen Netzwerke und Angebote entstanden (zum Beispiel Mastodon oder Friendica im FediverseFootnote 4). Sie können unsere Demokratie stärken, weil sie auf Basis offener und anerkannter StandardsFootnote 5 in dezentralen Strukturen gesellschaftlichen Austausch und Debatte fördern. Politik und Gesellschaft müssen diese Angebote stärken und ausbauen:
1
Mit öffentlichen Mitteln finanzierte Inhalte müssen vollständig zumindest auch auf diesen Plattformen verfügbar sein, denen offene und anerkannte Standards und Protokolle zu Grunde liegen. Politik, Behörden, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk werden verpflichtet, alle Inhalte ausnahmslos zumindest auch auf diesen Plattformen zur Verfügung zu stellen. Sie müssen eigene Angebote wie Mediatheken über Protokolle für diese Plattformen öffnen.
2
Öffentliche Institutionen (Politik, Behörden, Universitäten, Bibliotheken, öffentlich-rechtlicher Rundfunk und weitere) produzieren heute mit hohem Aufwand exklusive Inhalte für Instagram, TikTok und weitere Monopolplattformen. Sie werden künftig verpflichtet, mindestens mit demselben finanziellen und strukturellen Aufwand in die Herstellung von Inhalten und deren Distribution für diese offenen Digitalplattformen zu investieren. In regelmäßigen Abständen prüfen Aufsichtsgremien, ob der Anteil des Aufwands für offenen Plattformen vergrößert werden kann, ohne die erforderliche Reichweite der Angebote zu gefährden.
3
Bund und Länder werden verpflichtet, ihre Investitionen in die Entwicklung und Stärkung dieser offenen Plattformen und Protokolle sowie Angebote auf Basis dieser massiv auszuweiten. Ziel ist dabei insbesondere, deren Bedienbarkeit zu verbessern, Wachstum durch ausreichende technische Infrastruktur zu erlauben und die Marktdurchdringung durch Marketing zu erhöhen. Zudem schaffen Bund und Länder Bürger*innengremien, die die Anforderungen an solche demokratiestärkenden Angebote festlegen und überwachen.
4
Für Betreiber demokratiestärkender Plattformen und Angebote wird ein Rechtsrahmen geschaffen, in dem diese gemeinnützig operieren könnenFootnote 6.
5
Bildungseinrichtungen, insbesondere Schulen und Träger von Medienkompetenz-Angeboten, werden verpflichtet, in erster Linie die Nutzung offener und demokratiestärkender Plattformen und Netzwerke zu vermitteln. Gleichzeitig wird die Nutzung von Hardware und Angeboten der Monopolplattformen in Bildungseinrichtungen eingeschränkt mit dem Ziel, diese möglichst ganz zu vermeiden. Zudem sollen Lehr- und Lerninhalte des staatlichen Bildungssystems auf offenen Plattformen zur Verfügung gestellt werden, sofern die Urheber*innen die nötigen Rechte eingeräumt haben.
Um unsere Demokratie zu stärken, sollten auch die Monopolplattformen fairen, diskriminierungsfreien Austausch für alle ermöglichen. Eine große Bandbreite von Instrumenten des Wettbewerbs-, Steuer- und Urheberrechts kann dabei helfen:
6
Für große Plattformen werden Marktanteilsobergrenzen eingeführt, bei deren Überschreitung Unternehmensteile veräußert oder Inhalt und Verbreitungsweg getrennt werden müssen. Eine Digitalsteuer für Tech-GigantenFootnote 7 wird erhoben, um eine demokratiestärkende Informations- und Diskussionsinfrastruktur sowie Qualitätsjournalismus zu finanzieren.
7
Große Plattformen müssen offene Standards und Interoperabilität zwischen AngebotenFootnote 8 einführen, damit Nutzende Inhalte herstellerunabhängig nutzen können und bei einem Angebotswechsel eigene Inhalte nicht verlieren. Ein solcher Angebotswechsel muss auch durch vollständige Download-Möglichkeiten eigener Inhalte erleichtert werden.
8
Monopolplattformen bestrafen heute Links, die auf Angebote außerhalb dieser Plattformen wie eigene Webseiten verweisen, beispielsweise durch geringere Reichweite oder weniger Sichtbarkeit. Solche Outlinks dürfen künftig in der Verbreitung von Inhalten nicht mehr zu einer Benachteiligung führen, damit Nutzende ohne Nachteile auf Angebote außerhalb der Plattformen verweisen können. Zur Überprüfung müssen große Plattformen ihre Algorithmen transparent offenlegen.
9
Unabhängige Aufsichtsgremien müssen die Einhaltung der oben genannten Maßnahmen überwachen mit dem Ziel, Monopolstellungen, strafbare Äußerungen und gezielte Desinformation und Wahlmanipulation einzudämmen. Die Plattformen müssen über mehrere Wege einfach erreichbare Ansprechpersonen beschäftigen, die bei Account-Sperrung, Hass oder Verleumdung schnell agieren.
10
Bis heute dürfen Plattformen sogar strafbare Inhalte (Rassismus, Diskriminierung, Holocaustleugnung etc.) zu Geld machen. Das Haftungsprivileg für besonders große PlattformenFootnote 9 kommt auf den Prüfstand. So, wie Medienkonzerne Inhalte presserechtlich verantworten, müssen Plattformen für ihre Inhalte Verantwortung übernehmen und haften.
Zur Erläuterung:Footnote 10 Das Privileg, für Inhalte anderer nicht zu haften, ist die Grundlage der Arbeit vieler im Internet, insbesondere für die Betreiber dezentraler Netzwerke. Save Social will daran nichts ändern! Die Big-Tech-Monopole missbrauchen dieses Privileg jedoch, indem sie bestimmten, auch strafbaren, Inhalten über intransparente Algorithmen massive Reichweite verschaffen – und selbst mit strafbaren Inhalten legal Geld verdienen dürfen. Daher fordert Save Social eine Prüfung des Nichthaftungsprivilegs nur für „besonders große Plattformen“ (sogenannte VLOPs in der europäischen Richtlinie DSA: konstruktive Vorschläge für eine balancierte Umsetzung (PDF) gibt es unter anderem von Prof. Dr. Martin Andree; bei Umsetzung dieser Vorschläge wäre aufgrund der Schwellenregelung z. B. das Fediverse nicht betroffen).
Writer and Honorary President of the European Writers' Council (EWC).
Writer, director, musician, artist
Bundesministerin der Justiz a. D.
Mitgründer Karma Capital & Neue Narrative
Singer
Direktor Paper Trail Media GmbH
Musiker
Geschäftsführerin Neue deutsche Medienmacher*innen
Autor & Moderator
Verleger Junius Verlag
Geschäftsführerin Deutsche Nationalstiftung
Gründer der Stiftung Gesunde Erde-Gesunde Menschen
Chefredakteur Medium Magazin
Regional Director of ver.di Hamburg and Deputy Chair of the NDR Broadcasting Council
Schriftsteller
Mitgründer re:publica, digitalpolitik.de
Kommunikationswissenschaftlerin, Publizistin und Medienkritikerin
Author and media studies scholar
Schauspieler und Drehbuchautor
Presseförderung & Kommunikation, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS
Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit a.D.
Cartoonist und Filmemacher
Fotografin und Geschäftsführerin FREELENS e.V.
Maler und Grafiker
Publisher CORRECTIV
Geschäftsführende Vorständin Campact e.V.
Chefdramaturg und Stv. Generalintendant Düsseldorfer Schauspielhaus
Künstler
Gründer mastodon.de, Administrator troet.cafe
Geschäftsführerin Bonn Institute
Direktor Digitale Entwicklung, Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Geschäftsführerin Medien.Bayern GmbH
Direktor Paper Trail Media GmbH
Fotograf
(Emmanuel Peterfalvi)
cohen+dobernigg Buchhandel
CPTO & Managing Director gutefrage.net
Regisseur
Universität Innsbruck, Mitglied ZDF Verwaltungsrat
Autorin, Moderatorin, Podcasterin
Mitgründer Republik Magazin (Schweiz)
Scientists for Future
Geschäftsführender Gesellschafter Bonn.digital
German Journalists’ Association (DJV)
Stifter und Beiratsvorsitzender Schöpflin Stiftung
Autor
Journalistisches Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Author
Regisseur
Autorin, Mitglied PEN Berlin
Hertie School Of Governance
HTWK Leipzig
Tech blogger
Geschäftsführung Missy Magazine
Stellv. Vorstandsvorsitzender, DAK-Gesundheit
Gründer Mojofest (Irland)
Künstlerin
Gründer Ossrox UG
Journalistisches Seminar Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Vorstand Krautreporter
Musiker (Münchner Philharmoniker), Vorstand Orchester des Wandels e.V.
Journalistin, Co-Vorstandsvorsitzende Neue deutsche Medienmacher:innen
Journalist & Mitgründer Podcast-Radio detektor.fm
cohen+dobernigg Buchhandel
Musiker (Die Prinzen)
Associate Professor Wayne State University
Autor und Kabarettist
Produktmensch & Komplize
Leiterin der Komödie Winterhuder Fährhaus
Gründungsdirektor Council for European Public Space
Journalistisches Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Coordinator Journalistic Responsibility Dutch Public Broadcasters (NL)
Kinderbuchautor, Illustrator
Director Think Tank SZ-Institut
Managing Director, Bonn.digital
Podcaster
Co-Leitung Arthur Boskamp-Stiftung, Mitglied im NDR-Rundfunkrat
Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes
SOCIAL SOCIAL
Datenjournalist, Geschäftsführer Datenfreunde GmbH
Science communicator and public relations officer, University of Innsbruck
Hessischer Rundfunk, Medienwissenschaftler
Landesvorsitzender dbb m-v und Stv. Vorsitzender NDR Rundfunkrat
Gründerin und politische Geschäftsführerin Digitalcourage e. V.
Max Delbrück Centrum und Humboldt Universität zu Berlin
Chefredakteur CORRECTIV
Kommunikationswissenschaftler, Sprecher des ZeMKI, Universität Bremen
Filmemacherin und Journalistin für ARD, NDR und arte
Journalist, Gründungsvorstand VOCER-Institut für Digitale Resilienz
Vorstand RiffReporter eG
freie Journalistin, Autorin und Podcasterin
Geschäftsführer Do-FOSS für Freie und Open-Source-Software
Sprecher Präsidiumsarbeitskreis „Digitale Souveränität“ der Gesellschaft für Informatik e.V.
Gründer Good News Magazin
Kabarettistin, Moderatorin
ehem. Programmgeschäftsführer phoenix
Leiter Regionalmedien, Galledia (Schweiz)
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft, Freie Universität Berlin
Intendantin Publix – Haus für Journalismus und Öffentlichkeit
Autor, Mitglied PEN Berlin und NDR Rundfunkrat
Journalist und Moderator
Vorstand Bildungswerk verdi und stellv. Vorsitzende ARD Programmbeirat
Institut für Publizistik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Kreativtäter
Landesbezirksleiterin ver.di Niedersachsen-Bremen
Gründer und künstlerischer Leiter digitalcourage e. V.
Journalist, Mitgründer Krautreporter
Landesbezirksleiterin ver.di Bayern, Mitglied BR Rundfunkrat
Videojournalist
Visiting Professor Of Law, College of Europe
Institut für Informationswissenschaft, Technische Hochschule Köln
Lübeck/Kassel
Journalist, Autor, Digitalberater, Podcaster „Haken dran“
Schriftstellerin
Ludwig-Maximilians-Universität München
Chefredakteur Publik-Forum
Stv. Landesbezirksleiterin ver.di Niedersachsen-Bremen, Mitglied NDR Rundfunkrat
Hörfunk und TV-Journalist
Forschungskoordinator ZeMKI, Universität Bremen, Gründungsvorstand VOCER
Professorin für Kommunikationswissenschaft
Co-founder of Save Social
Autorin und Übersetzerin
Studio Poyo
Studio Poyo
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Wir fordern: Die Bundesregierung soll X sofort verlassen und auf offene, gemeinwohlorientierte Plattformen wechseln.
Communications professionals from the worlds of business, culture, the media and public administration demonstrate how they successfully use open networks without Big Tech.